Ich bin Italienerin, in Bolzano aufgewachsen, habe in Padua studiert und fliege seit zwanzig Jahren. Mein Kerngeschäft ist Kunstflug-Ausbildung — Aresti-Programme von Sport bis Advanced, gelegentlich Werks-Demo-Flüge für Hersteller.
Den Gabriel habe ich gewählt, weil er das macht, was meine Schüler brauchen: ein zugelassenes Kunstflug-Flugzeug (EASA, +6/-3 g) mit klarer Avionik, vorhersehbarem Stallverhalten und einer Tandem-Geometrie, die das Lehrgespräch unterstützt. Der Lycoming IO-320-D1B mit 160 PS gibt mir Konstantverstellpropeller, viel Drehmoment unten heraus und eine 100-LL-Standardlogistik, die in Norditalien überall verfügbar ist.
Mein typischer Tag in Bolzano: erste Maschine um 08:30, Steigflug in die Aresti-Box südwestlich der Stadt, vierzig Minuten Programm, Landung, Briefing, zweite Maschine. Drei bis vier Slots pro Tag, je nach Wetter.
Bolzano LIPB ist ein Talkessel-Platz auf 794 ft Elevation mit 1.294 m Asphalt — die Berge zwingen zur Disziplin. Werksangabe Start des Gabriel mit Lycoming: 500 m / 1.640 ft über das 50-ft-Hindernis. Auf dem Vorfeld bedeutet das, dass selbst an heissen Tagen Reserve bleibt, wenn die Schüler etwas behäbig steigen.
Für Reise-Etappen gehe ich oft nach Mariazell LOGM, einen historischen österreichischen Bergplatz, oder nach Salzburg LOWS für einen Tankstopp und einen Spaziergang zum Hangar-7. Bei 296 km/h Reisegeschwindigkeit ist Salzburg in eineinhalb Stunden machbar.
Bolzano LIPB ist die Schule — Tower mit guten Englisch-Kenntnissen, italienisches Customs am Vorfeld, Restaurant im Tower-Gebäude. Mariazell LOGM ist mein Lieblingsplatz für Sommerausflüge: kurze Bahn, dichter Wald, ein Café im Pilotenhaus.
Salzburg LOWS ist die nördliche Anbindung — 2.750 m Asphalt, ILS, Mixed-Verkehr, GA-Apron. Wer Zeit hat, geht zu Fuss zum Hangar-7 von Red Bull mit der Flying-Bulls-Sammlung — die Besucher-Apron ist über Salzburg Airport mit PPR organisierbar.
Ich werde oft gefragt, warum ich nicht den Blackshape Prime BK160 fliege — gleiche Kabinen-Geometrie, gleicher Rumpf, aber als Reise-Tandem mit Rotax 915iS und 750 kg MTOM. Antwort: der Prime ist eine ausgezeichnete IFR-Reisemaschine, aber er ist nicht für +6/-3 g zertifiziert. Für meine Arbeit ist das ein K.o.-Kriterium.
Mit dem Gabriel kann ich morgens Aresti schulen und nachmittags eine Reise nach Salzburg fliegen — die gleichen 850 kg MTOM, ein bisschen weniger Reichweite als der Prime, dafür die Erlaubnis, die Kiste in den Rücken zu legen, wenn ein Schüler genau das lernen will.
“Ein guter Trainer fliegt nicht weicher als das Lernprofil zulässt. Der Gabriel lässt das Profil zu — und mehr.”
Würde ich noch einmal kaufen, würde ich den Rotax-916-ISC-C24 ernsthaft prüfen — weniger Drehmoment unten heraus, aber leiser und mit moderner FADEC-Logik. Für eine reine Schulflotte bleibe ich beim Lycoming.