Ich habe mit dem Segelflug begonnen — 25 Jahre auf Discus, Ventus und zuletzt einer ASG 29. Den Schritt zum Motorflug habe ich erst spät gemacht, weil ich Angst hatte, das Gefühl für Luftströmung und Energiemanagement zu verlieren, das man als Segelflieger entwickelt.
Der Blackwing hat mich erwischt, als ich ihn 2022 auf der AERO ausgestellt sah. Vollcarbon, schmale Spannweite, aber das Profil ist eindeutig nicht von einem klassischen UL übernommen — es ist eine eigene Entwicklung mit jahrzehntelanger Hochleistungs-Aerodynamik im Hintergrund. Das war für mich der Klick.
Ich fliege fast nur in den Alpen. Standardprofil: Start aus St. Stefan, eine Stunde Bergtransition über die Niederen Tauern, Stopp in Mariazell LOGM für einen Espresso, weiter zum Wallersee oder direkt nach Zell am See.
Mariazell ist eine Grasbahn auf rund 2.825 ft Elevation — das ist der Punkt, an dem die Performance-Reserve zählt. Werksangabe für die Startstrecke des BW 650 liegt bei 175 m, ich plane bei Gras und Sommerhitze konservativ mit 250 m und habe auf LOGM noch nie ein Drama gehabt.
Zell am See LOWZ ist mein Lieblings-Anflug: Tal-Hochsee-Anflug, RWY 26 entlang des Sees, Berge zum Greifen nahe. Den Steigflug auf 12,7 m/s bekomme ich auf MSL natürlich nicht zurück, aber selbst im Hochsommer auf FL080 hat der 916 iS deutlich mehr Reserve, als ich aus jedem UL zuvor kannte.
St. Stefan LOKG ist Heimat — überschaubarer Verkehr, asphaltierte Bahn, hervorragender Vereinsbetrieb. Mariazell LOGM und Zell am See LOWZ sind meine zwei festen Etappen — beide haben den Charakter alter österreichischer Bergplätze: kurze Pisten, freundliche Lotsen, dichte Topografie. Wer dort sauber operiert, kann fast überall in den Alpen landen.
Für Zoll-Pflicht fliege ich Salzburg LOWS an — die GA-Crew dort kennt die Carbon-ULs und schiebt sie zügig durch. Wer Zeit hat, lohnt sich ein Spaziergang zum Hangar-7 von Red Bull: die Besucher-Apron ist freigegeben, Anmeldung über Salzburg Airport mit PPR.
Auf den österreichischen Plätzen sehe ich auch immer wieder Blackshape Prime — dieselben 160 PS Rotax-Familie, mehr Reichweite, IFR-Avionik im Standard, Echo-Zulassung. Der Prime ist die richtige Wahl, wenn man IFR fliegt und längere geradlinige Reisen plant. Mein Flugstil ist anders — kurze Etappen, Sichtflug, viel manuelles Energiemanagement.
Die BW 650 bringt mir das Gleitgefühl vom Segelflug zurück: 1:18 ist sie nicht, aber die Sinkraten bei 70 kts mit Klappen 0° sind so vorhersehbar, dass ich Notlande-Übungen ohne Stress fliegen kann. Das ist mir wichtiger als ein paar Knoten Reisegeschwindigkeit.
“Wer aus dem Segelflug kommt, fühlt sich im BW 650 zu Hause: das Profil verzeiht nicht — aber es lügt auch nicht.”
Was ich heute anders machen würde: weniger Optionen, mehr Trainingsstunden mit einem Bergflug-Lehrer im ersten Sommer. Die Maschine ist schneller eingearbeitet als der Pilot.