Ich arbeite als Anwältin in Zürich und fliege seit 2017. Die Hauptmotivation war damals nicht Reisen, sondern die Disziplin — präzises Briefing, präzise Ausführung, Verantwortung im Cockpit. Das hat sich gewandelt: Heute sind die Reisen der Grund, warum ich am Donnerstagabend immer noch mit Karten am Esstisch sitze.
Den Schritt von der Schul-DA40 zum eigenen Flugzeug habe ich lange aufgeschoben. Was mich beim Blackwing überzeugt hat, war nicht die Optik (obwohl die mich am Flugplatz sofort erwischt hat), sondern die Tatsache, dass es ein UL ist, das man fliegen darf wie ein richtiges Reiseflugzeug — 600 kg MTOM, kein Bedauern bei der Beladung, keine Kompromisse beim Reise-Trimm.
Ich fliege fast immer zu zweit, oft mit meinem Lebenspartner Marc. Die Standardroute lautet: Mollis LSZM raus über das Glarnerland, Brennerkorridor, Bolzano LIPB für Customs und Mittagessen, dann weiter über Slowenien an die Adria.
Bolzano ist eine eigene Kategorie: Talkessel-Approach, 1.294 m Asphalt auf 794 ft Elevation, Berge an drei Seiten. Mit der Rotax-916-iS-Maschine bin ich entspannt — Startstrecke 175 m laut Werk, ich messe an einem typischen Sommertag etwas mehr und plane konservativ.
Von Bolzano aus sind es noch zwei Stunden nach Mali Lošinj LDLO. Dort lande ich auf der 900 m Asphalt-Bahn 13/31 am Meer, parke an der GA-Apron und brauche zehn Minuten bis ins Hafen-Restaurant. Der Verbrauch pendelt um 18 Liter pro Stunde bei 65 Prozent — der 140-Liter-Tank fängt die ganze Reise ohne Zwischenstop ab, wenn ich es will.
Mollis LSZM ist seit Jahren mein Heimatplatz — die Linthebene gibt ehrliche, lehrreiche Winde, und der Platz ist verkehrsarm genug, um Übungen sauber zu fliegen. Bolzano LIPB ist mein Standardstopp für Süd-Routen: italienisches Customs-Office direkt am Tower, AVGAS und Jet A-1, Restaurant am Vorfeld.
Mali Lošinj LDLO ist die Belohnung. Anflug entlang der Inselkette mit Sicht bis Krk, Approach Bahn 31 über das offene Meer, taxi vorbei am alten Olivenhain zur GA-Apron. Im Sommer ist es voll — PPR ist Pflicht, und die FBO-Crew managt die Slots professionell.
Auf der Adria-Strecke habe ich oft Piloten mit grösseren Maschinen getroffen — DA40, Cirrus, vereinzelt auch Blackshape Prime. Der Prime BK160 wäre für mein Routenprofil ein logischer Kandidat: IFR-fähig, längere Beine, derselbe Rotax 915iS-Hauptantrieb. Was ich am BW 650 anders mag, ist die Sicht — der niedrig geschnittene Canopy und die Side-by-Side-Anordnung machen einen Adria-Anflug zum Schauspiel.
Ein Tandem ist sportlicher, aber ich teile gern den Blick. Und ehrlich: 600 kg MTOM zwingen zu sauberer W&B-Disziplin, was meinem juristischen Hang zur Sorgfalt entgegenkommt.
“Beim Blackwing ist nichts grosszügig dimensioniert. Genau das macht ihn ehrlich.”
Würde ich heute wieder bestellen, würde ich die Sitzheizung und die Lendenstütze von Anfang an mitnehmen. Auf langen Etappen über Tirol und Slowenien wird einem die Aufmerksamkeit gestohlen, wenn der Sitz kalt oder unbequem ist. Klingt banal — ist es nicht.